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Bericht vom 01.03.2010

Stader Kammerorchester in sinfonischer Hochform

Konzert der Romantik im tiefen Winter

Jutta de Vries

Seit mehr als 50 Jahren ist das Stader Kammerorchester aus dem Kulturleben der über 1000jährigen alten Hansestadt Stade nicht weg zu denken – zunächst als kleine Streicherformation für den Musikhunger der Nachkriegsjahre gegründet, entwickelte es sich bis heute zu einem voll besetzten sinfonischen Orchester.
Und das besondere: die 40 Amateur-Musikerinnen und Musiker aus dem Stader Raum werden nur von wenigen Profis unterstützt und in den Instrumentengruppen auch gezielt ausgebildet. So ist die Geigerin Katarzyna Jerzewska erfolgreiche Coach für die Violinen und Bratschen und Cellistin Renate Höchst für die Violoncelli. Und DTKV-Mitlied Michael Wagener, Klarinettist in Hamburg, arbeitet künstlerisch-pädagogisch so effizient mit den Bläsergruppen, dass der dynamische  junge Dirigent Alexander Mottok für sein Orchester immer anspruchsvollere Programme wagen kann.


Das Februar-Konzert in der barocken St. Petri-Kirche in Osten, nordwestlich von Stade im Nassen Dreieck zwischen Elbe und Weser, ließ besonders aufhorchen und hätte in seiner im Programm ganz romantisch konzipierten Komplexität  so manchem Profi-Orchester den Rang abgelaufen, vor allem wegen einer echten Rarität :
Die schöne Dorfkirche, im 18. Jahrhundert vom Hamburger Michel-Baumeister Johann Prey erbaut, birgt nämlich als besondere Kostbarkeit eine gut restaurierte romantische Peternell-Orgel, die wie geschaffen ist für den Solopart in Rheinbergerss Orgelkonzert Nr. 2. Martin Böcker,  einer der renommiertesten Orgelkenner und Musiker über Deutschlands Grenzen hinaus, spielte die Partie mit Esprit, achtsam und dialogisch lebhaft  vom Orchester und dem perfekten Raumklang unterstützt.


Schon zu Beginn des Konzerts hatten sich in Wagners Siegfried-Idyll technische Beherrschung, Brillianz der feinen Streichertongebung und lebhafte Durchsichtigkeit  der Stimmen im Orchester zu einer schlüssigen Interpretation verwoben., und zu voller romantischer Höchstform fanden die konzentriert und lustvoll agierenden Stader dann in Mendelssohns Reformationssinfonie. 
Oft als « Schinken » verschrieen, ist sie doch, wie hier, ein Erlebnis des expressiven Glaubens, wenn sie zwar mit dem gehörigen Schmackes im Blech, selbstbewußter Virtuosität in den Holzbläsern, vollen Paukenwirbeln, dramatischen Streicherfuriosi und lieblich kontrastierenden Lyrismen daherkommt, aber vom unsentimental klaren und strengen Dirigat Alexander Mottoks auf Spannung gehalten wird. 


Die löste sich zum Beschluß begeistert im Applaus – Bestätigung und Ansporn zugleich für die Zukunft des Stader Kammerorchesters. 


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