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Bericht vom 29.09.2009

Mendelssohns Paulus in Stade

Stadtkantorei unter KMD Hauke Ramm zum Mendelssohn-Jahr

Jutta de Vries

Stadtkantorei Stade mit dem großen Oratorium PAULUS 
von Felix Mendelssohn Bartholdy
Sonntag, 27. September 2009 in St. Wilhadi mit den Solisten
Cornelia Samuelis, Sopran; Daniel Sans, Tenor; Matthias Horn, Bass
Es spielte die Kammersinfonie Bremen unter Kirchenmusikdirektor Hauke Ramm
©Jutta de Vries


„Liebe Brüder und Väter, höret zu: der Gott der Herrlichkeit erschien unseren Vätern, errettete das Volk aus aller Trübsal und gab ihnen Heil“... so rüttelt der Märtyrer Stephanus gleich zu Beginn in Mendelssohns erstem großen Oratorium PAULUS die Menge auf.
Und gleich fühlten sich die Brüder und Väter, auch die Schwestern und Mütter und jungen Frauen, Männer und Kinder am Sonntag in der Stader Wilhadi-Kirche von der Intensität der Musik und des Musizierens gepackt und fort getragen in die ferne, Welt der ersten Christen und ihrer dramatischen Glaubens-Abenteuer.


Der Ruf konnte gar nicht ungehört verhallen, denn was wir hier erlebt und gehört haben, war in der Tat einzigartig. Orchester, Chor und Solisten bildeten unter Hauke Ramms völlig souveränem Dirigat eine geschlossene dramaturgisch durchgearbeitete Partnerschaft. 


Der Chor, um etliche Männerstimmen verstärkt und daher ausgeglichen, mit schönem Glanz im Sopran und voluminösem Alt, hat das vielstimmige Werk beherrscht und in die differenzierte, aufmerksame Interpretation alles Herzblut gegeben – alle Augen und Münder bewiesen es: hier herrscht Liebesbeziehung pur zu Mendelssohn und seinem Wohlklang, der dem Chor aber auch die dankbarsten Aufgaben stellt.


Unter den in Stade bekannten und geschätzten Solisten überzeugten Daniel Sans und Matthias Horn vollkommen; beide Stimmen harmonierten gerade auch in den Duetten bis zum Gänsehaut-Effekt. Cornelia Samuelis’ feiner, geradliniger Sopran, der alle hier bisher gegebenen Barock-Partien so sensibel ausgefüllt hat, konnte mit der Forderung der Partitur nach ausgefächertem Volumen und romantischer Klangfarbigkeit aber nicht ganz mithalten. Vor allem in der Tiefe der mit übernommenen Mezzo-Arie war die Stimme öfter flach, trotz aller Delikatesse, mit der die Bremer Kammersinfonie begleitete. Dieses Orchester ist ein Genuss, und ein Beispiel dafür, dass hohe Virtuosität die größte Freiheit gibt zu werkbezogener Gestaltungsfülle und Klangrafinesse.




Eine Aufführung wie diese, so spannungsgeladen, intensiv und auch technisch auf ausserordentlichem Niveau weist weit über die Provinz hinaus – welch ein beglückendes Erlebnis, da stand für viele der musikalische Himmel offen.






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