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Bericht vom 25.03.2014

Hermann Hesse als Maler und Zeichner

Brillante Ausstellung der Stiftungs-Sammlung Heiner Hesse Im Kunsthaus Stade, noch bis 11. Mai 2014

Jutta de Vries

Hermann Hesse als Maler und Zeichner
Brillante Ausstellung der Stiftungs-Sammlung Heiner Hesse 
Im Kunsthaus Stade, noch bis  11. Mai 2014 
Mehr Infos: www.museen-stade.de






Erst zur Hälfte seines langen Lebens (1877 - 1962) fand der Dichter Hermann Hesse, schon anerkannt und erfolgreich auf dem literarischen Parkett, aber auch geschmäht wegen seiner deutlichen Haltung gegen den 1. Weltkrieg, eine Oase des Ausgleichs, eine Rückzugsmöglichkeit in seinen eigenen inneren Frieden: die Malerei.
Seit Kindertagen hin- und hergerissen zwischen Anspruch, Erwartung und Gehorsam vor der Familie und  der realen Gesellschaft auf der einen und dem „eigenen Sinn“, dem einzigen Weg, den schon der 15jährige für sich fand: “...ich will Dichter werden, und sonst gar nichts“, findet er in der Zeichnung, der Malerei eine Wirklichkeit, die seiner Vorstellung entspricht und in der er „für Stunden glücklich“ sein kann. 


Den Anstoß gab ein Rat seines Psychiaters Bernhard Lang im Jahr 1916, der ihn, der vorher nie gemalt oder gezeichnet hatte,  aufforderte, seine Träume zeichnerisch festzuhalten. Daraus ergab sich der Blick auf die  nahe Umgebung, das Selbstporträt, das Interieur, der Blumenstrauß – und dann nur noch die erwanderte Landschaft um den Lago Maggiore und den Luganer See herum.


Als er 1919 in die Casa Camuzzi in Montagnola zieht, malt er die Umgebung „wie ein Besessener“ Zeitweilig, in einer Schreibblockade, lebt er vom Erlös seiner Bilder und stellt sogar in der Kunsthalle Basel und bei Reinhardt in Winterthur mit Emil Nolde zusammen aus. Die Qualität seiner Arbeiten entspricht in ihrer komplexen Harmonie der expressiven, fein abgestimmten Farbklänge, dem proportionalen Aufbau und der Bewegung innerhalb des Bildraums auf interessante Weise dem Aufbau der Spannung im literarischen Werk, und das ist, wie der Hesse-Kenner Volker Michels schreibt, das eigentlich Großartige an Hesses malerischen Werk.


Nach anfänglichem Austesten verschiedener Techniken findet er das Aquarell und spät in den 30er Jahren die Federzeichnung als adäquates Ausdrucksmittel. In Beiden bringt er es zur Meisterschaft. Seine kleinformatigen Arbeiten strahlen Licht, Luft und Heiterkeit des Tessin in einem Maße aus, dass wir hier das Geheimnis seiner Malerei deutlich vor Augen haben: mit der heilen, paradiesischen Welt, in der die Natur in völligem Einklang steht mit den Spuren menschlicher Kulturtechnik, dem Weinbau, der Gartengestaltung, den Architekturen bringt er eine Wunschwelt zum Leuchten, die für ihn eine Kraftquelle zur Bewältigung der Realität sein soll.


Ein spektakulärer, zeitnaher Zufallsfund in einem Hamburger Keller  gibt der Ausstellung noch zusätzlich Stoff: Im kleinen Pappkoffer fand sich die vollständige  Korrespondenz des  Ehepaares Schadow mit Hesse: hunderte Texte, Bildchen, Gedichte, Briefe.. ein großer Schatz, von dem ein Teil, einschließlich Koffer, auch in der Ausstellung zu sehen ist.


In Stade wird auch erstmals der 2. Sohn Heiner Hesse gewürdigt, der den Nachlass des Vaters sorgfältig bewahrt und aufgearbeitet und für ein Museum gesorgt hat in Montagnola, Hesses Wohnsitz von 1919 – 1962. Von dort kommen die über 100 Werke und Zeitzeugnisse, die in dieser gelungenen Ausstellung versammelt sind und einen neuen, anderen Blick auf den Dichter Hermann Hesse  zulassen.


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