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Bericht vom 11.11.2013

Stadtkantorei Stade singt Brahms Requiem in St. Wilhadi

Jutta de Vries

Stadtkantorei Stade singt Brahms Requiem in St. Wilhadi
Sonntag, 10. November 2013 
©Jutta de Vries


Als am 1. Dezember 1867 das Deutsche Requiem von Johannes Brahms – damals war das Werk noch viersätzig – im Wiener Musikverein zur Uraufführung kam, fiel es glatt durch, es wurde sogar gezischt. Aus zeitgenössischen Quellen geht der Hauptgrund hervor: die Pauken und Bläser entfesselten eine solche Lautstärke, besonders im 3. Satz (Der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand), daß sie alle übrigen Stimmen „überschwemmten“. (Zitiert nach William Mann).


Die Bläser der Bremer Kammerphilharmonie haben am Sonntag in St. Wilhadi dieser Interpretation alle Ehre gemacht und waren sogar beglückt: “Noch schöner ist es nur im Dom“ sagte einer zum Kollegen, nachdem die Begeisterung für die Partitur sie in höchste Phonstärken ohne Rücksicht auf Verluste davon getragen hatte, als ob sie in der AOL-Arena wären und nicht in der  für ihren feinen, edlen akustischen Respons gerühmte einstigen Stader Bischofs-Kirche.


Brahms ist ja auch berühmt für seine besonders weit gespannte dramatische Dynamik, die es unbedingt auszunutzen gilt. Wenn nun schon das Paukenfell bald reißen muß, dann sollte es auch flüstern können: Fehlanzeige. Auch die Holzbläser, vor allem die Oboe, deren Part häufig die Vokalstimmen meditativ fortführen sollte, fügte sich nicht ein.
Geradezu ein Ärgernis ist es, wenn ein Honorarorchester den deutlichen Anweisungen des Gastdirigenten nicht Folge leistet. Kirchenmusikdirektor Hauke Ramm am Pult tat jedenfalls alles, um seine differenzierte Interpretation des Werks  deutlich zu machen.


Dazu trugen auch die beiden Solisten bei, die sich tapfer gegen die Klangmassen wehrten. Jens Hermann mit einem schön timbrierten, sehr weichen Bariton gelang das weniger als der wunderbar souveränen Gabriele Rosmanith, der die hohe Tessitura der Sopranpartie wie auf den Leib geschneidert scheint. Sie konnte zuweilen sogar das Orchester ein kleines Bißchen zähmen, damit wenigstens die Harfe im Ansatz hörbar wurde.


Hauke Ramms Intentionen waren deutlich dem Chor abzuhören: Wenn auch der teuflische Kreislauf  für ständig steigenden Lautstärkepegel seine Wirkung tat, war die Stadtkantorei in exzeptioneller Form. Sorgfältig einstudiert, sicher in den schwierigen Fugenteilen, eloquent und immer textverständlich, mit Akzenten und Differenzierungen, die ein Hinarbeiten auf kontrastreiche Dynamik beweisen. Stimmlich in Bestform, die allerdings vor allem in  den sonst sehr zuverlässigen Männerstimmen gegen Ende abnahm - Tribut an die Lautstärke... Bombig der Alt in seinen wichtigen Solostellen, schlackenlos der Sopran, und darüber hinaus kam eine echte Empathie mit der  großen Brahmsischen Tröstungsbotschaft bei der  großen Konzertgemeinde an. 


Und deshalb zischte auch niemand, wie einst im Wiener Musikverein.


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