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Bericht vom 18.12.2012

Stadtkantorei Stade im Weihnachtsjubel

Bach Vater und Sohn leuchten in der Adventszeit Konzert am 16.12. in St. Wilhadi

Jutta de Vries

Stadtkantorei Stade im Weihnachtsjubel
Bach Vater und Sohn  leuchten in der Adventszeit
Konzert am 16.12. in St. Wilhadi
©Jutta de Vries


Es lässt sich trefflich darüber streiten, ob es zur wahren Weihnachtsstimmung unbedingt das  Bachische WO sein muß -  zugegeben, es ist eine wunderbare Tradition, wie Weihnachtsmarkt und Schwedenpunsch.
Dass aber Weihnachtsjubel auch in anderen Werken gewaltig aufzubrausen vermag – auch wenn man in der Bach-Familie blieb -  bewiesen auf beglückende Weise KMD Hauke Ramm mit der Stadtkantorei Stade und dem Barockorchester Hamburg als regelmäßigem, zuverlässigen und klangintensiven Partnerensemble.


Zu Beginn Joh. Sebastian Bachs weit gespannte Solo-Kantate „Jauchzet Gott in allen Landen“ BWV  51.
Das berühmte Sopran-Bravourstück wurde glänzend dargebracht von Cornedlia Samuelis, die in jüngster Zeit ihre schöne Stimme sorgfältig ausgebaut hat und völlig mühelos die höchsten Höhen bis zum dreigestrichenen C erreicht; ein Fest für die Ohren auch die leichten Triller, die dramaturgische Führung der Stimme in den weit gespannten Koloraturen, die schlichte Stilsicherheit. Das Orchester unterstützt sensibel, auch die Tempi sind virtuos - in den farbigen solistischen Teilen glänzen Trompete und zwei Violinen.  Wenn auch nicht für das Weihnachtsfest komponiert, ist in dieser herrlichen Kantate doch der Geist des Festes präsent.


Ganz spannend wird dann der Vergleich zwischen Vater und Sohn: die Kantorei hat das Magnificat (1749) von Carl Philipp Emanuel Bach einstudiert. Dieser dritte Bachsohn, auch Berliner oder Hamburger Bach genannt nach seinen Wirkungsstätten, hatte das Magnificat noch in Berlin im Dienste Friedrich des Großen geschrieben und aufgeführt  - zu seinen Lebzeiten – er verstarb 1788 in Hamburg - war er beinahe berühmter als sein Vater, und das aus gutem Grund. Hatte er doch musikalisch ganz neue Wege beschritten, sich von der barocken Strenge der „alten Zeit“ gelöst und war ins Zeitalter der Aufklärung aufgebrochen, die stilistische Schublade heißt Empfindsamkeit. Das bedeutet ja das Abrücken von der Objektivität der musikalischen Aussage und Hinwendung zum Ausdruck persönlicher Empfindungen im Werk. Hier ist C.Ph. Emanuel ein Wegbereiter für alle Künste der Epoche, sogar Haydn sagt, er habe von ihm gelernt.


Und ganz diesem Gedanken folgend, musiziert KMD Hauke Ramm das innovative Werk, den wunderbar anrührenden Lobgesang der Maria  aus dem Lukas-Evangelium. Die Verse werden abwechselnd vom Chor  und den vier  Solisten gesungen. Cornelia Samuelis mit ihrem strahlenden Sopran, Nicole Pieper mit sanftem Alt, der  lebhafte Tenor Michael Connaire und  der fein timbrierte Bassbariton Florian Günther  –  alle vier überzeugten mit expressiver , manchmal geradezu explosiver Gestaltungskraft ihrer  schön harmonierenden Stimmen. Hauke Ramms Dirigat forderte die festliche, freudig-bewegte Weihnachtsstimmung mit klarem Dirigat und ordentlichen Tempi. Prima disponiert und  in volltönender Hingabe  bot die Kantorei zusammen mit dem beweglich-lustvollen Orchesterklang eine musikalische Einheit.
Kein Wunder, dass am Ende uneingeschränkter Beifall toste.


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